Rückblick auf die Vorbereitung und Ausblick auf die Saison – VfL-Trainer Ingo Drießen im Interview

Mit dem Pokalkracher gegen den Regionalligisten HC Weiden am kommenden Samstag um 18.30h, startet für den VfL die neue Saison 2025/26 in der Handball Verbandsliga Nordrhein. Seit Mitte Juni bereitet das Trainer- und Betreuerteam die Mannschaft intensiv auf die Saison vor. Das Interview wurde von unserem Social-Media-Team geführt.

Moin Ingo, die lange Vorbereitung befindet sich auf der Zielgeraden. Freut Ihr Euch auf den Start in die neue Saison?

Ingo: Wir freuen uns riesig auf das Ende der Vorbereitung. Es heißt immer, die Vorbereitung macht keinen Spaß. Das kann ich nicht behaupten, denn wenn’s keinen Spaß macht, kann man im Amateurbereich keine hohe Trainingsbeteiligung erwarten und die Beteiligung war richtig gut.

Wie ist die Vorbereitung in deinen Augen gelaufen und was habt Ihr so gemacht?

Ingo: Die Vorbereitung ist sehr gut gelaufen, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass wir ein bisschen weiter sind, als es der Fall ist.

Direkt nach dem letzten Spiel begann die Analyse der Saison 2024/25. Wir haben alles nochmal auf den Prüfstand gestellt und hoffentlich die richtigen Schlüsse draus gezogen.

Das Ergebnis der Analyse war sehr deutlich ausgefallen und wir haben drauf reagiert. Wir hatten zu viel Freestyle im Rückraum. Pass- und Laufwege haben zu häufig nicht gepasst. Auch das Spiel über den Kreis war ausbaufähig.

Daher haben wir einen Neustart beschlossen und ein völlig neues Konzept ins Training eingeführt. Es ist sehr zeitintensiv die Abläufe so zu verinnerlichen, bis wir Automatismen entwickeln und alles wie aus einem Guss läuft. Das ist mit einem hohen Risiko verbunden und wird wahrscheinlich erst im Verlauf der Saison greifen. Du kannst noch so viele Testspiele in der Vorbereitung durchführen, richtig gefordert bist du erst in den Saisonspielen. Da musst du bereit sein. Das kannst du vorher nicht simulieren.

Auch so eine Erkenntnis aus der letzten Saison.

Zudem mussten wir mit Paul Sevenich, ihn zog es in die Oberliga und Tim Ritzerfeld, der studienbedingt nicht zur Verfügung steht, 2 Abgänge verkraften, die aber durch ein paar Neuzugänge gut kompensiert werden konnten. Aber eigentlich blieb das Team aus der Vorsaison zusammen. 

Zum Kader 2025/26. Nach 3 Monaten der Vorbereitung steht der Kader für die Saison?

Ingo: Wie schon erwähnt, konnten wir das Team weitestgehend zusammenhalten. Unser Plus ist die Altersstruktur in der Mannschaft, sowie eine gut ausgebildete Jugend. Die „Alten“ sind mit ihrer Erfahrung noch lange nicht zu ersetzen und nehmen eine wichtige Führungsrolle ein.

Ein Königstransfer ist uns dieses Jahr nicht gelungen. Was stimmt dich beim Blick auf den Kader so positiv?

Der Jahrgang 2006, den wir diese Saison schon teilweise fest integriert haben und die nachrückende Jugend (Jahrgang 2007/08), die in unserer Vorbereitung schon größtenteils fester Bestandteil war. Da steckt ne Menge Potenzial drin, braucht aber Zeit. Das geht nicht von heute auf morgen, aber sie werden in naher Zukunft eine tragende Rolle bei uns einnehmen. Junge Spieler profitieren wahnsinnig von der Erfahrung älterer Spieler.

Wir haben in allen Bereichen, ob im Tor, auf Außen, im Rückraum oder am Kreis eine Menge Erfahrung mit jungen Wilden dahinter. Ich bin sehr froh über diese Entwicklung und wir werden noch sehr viel Spaß an der Mannschaft haben. Wir sind da auf einem guten Weg und es macht Freude mit dem Team zu arbeiten.

Aber vieles hängt davon ab, dass wir keine schwerwiegenden Verletzungen haben. Letztes Jahr sind uns Joschka Krause bereits in der Vorbereitung und Johannes Huppertz schon früh in der Hinrunde mit Kreuzbandriss ausgefallen. Dazu fehlte uns Tim Gellin gefühlt auch die komplette Saison.

Was kannst du denn über die Neuzugänge erzählen? Wie war der erste Eindruck nach der Vorbereitung und was erwartest Du von ihnen?

Ingo: Der erste Eindruck war durchweg positiv. Aber die Jungs werden noch Zeit brauchen, um reinzukommen. Sie sind alle noch jung, machen sich noch viel zu viele Gedanken. Auch wenn der Trainer schonmal schimpft, dürfen sie durchaus auch Fehler machen. Aus Fehlern und aus Niederlagen kann man meiner Meinung nach am Meisten lernen, davon sollte man sich aber nicht zu viele gönnen. Wenn wir Ruhe bewahren, ihnen die Zeit geben, dann können wir von ihnen noch einiges erwarten.

Mit Max Janorschke haben wir einen Torhüter hinzubekommen, der in Merkstein unter dem Radar lief. Er ist hochmotiviert und wirklich bei jedem Training dabei. Max hat in der Vorbereitung schon gezeigt, dass er mithalten kann und hat mit guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht.  

Marlon Faust hat letztes Jahr schon die komplette Vorbereitung mitgemacht, ist dann aber studienbedingt nach München gezogen. Marlon wird uns ab Oktober wieder zur Verfügung stehen und sich mit Sicherheit schnell wieder in das System einfinden. Wir freuen uns auf einen variabel einsetzbaren Spieler. Er fühlt sich auf Linksaußen wie auch auf Rückraum-Mitte zuhause. Anscheinend hat er in seinem Jahr bei Bayern München auch noch Einsatzzeiten auf Rückraum-Links bekommen. Wir freuen uns auf seine Rückkehr.

Mit Luis Kohlen kommt der nächste 2006er in die Erste. Luis hat in der Vorbereitung einen Riesenschritt gemacht und wird uns als Linkshänder auf Rückraum-Rechts einen Mehrwert bringen. Es ist einfach was anderes, ob du auf der Position mit einem Rechts- oder mit einem Linkshänder spielen kannst. Ab jetzt haben wir beides im Angebot.

Zu guter Letzt haben wir mit Meo Müller einen echten Allrounder hinzugewonnen. Meo wurde nach Schulterproblemen behutsam an das Team herangeführt und hat eine starke Vorbereitung abgeliefert. Nach seinem Auslandsaufenthalt kommt er von Woche zu Woche besser in Fahrt und bringt einfach ein belebendes Element auf die Platte.

Letztes Jahr fehlte dir laut deiner Aussage der verlängerte Arm auf dem Spielfeld. Sieht das dieses Jahr besser aus und wenn ja, wer kann den Part übernehmen?

Ingo: Wenn Tim Gellin diese Saison wieder fit ist, geht an ihm kein Weg vorbei. Er wird automatisch wieder Verantwortung in der Mannshaft übernehmen und auch einer meiner wichtigsten Ansprechpartner sein. Das hat auch nichts mit dienstältester Spieler zu tun, sondern damit, wer immer vorangeht, Verantwortung übernehmen will. Die jungen Spieler auf der Mitte müssen jetzt langsam in diese Rolle reinwachsen. Mit Paul Drießen, Nicolas Krupp und Meo Müller haben wir da ein sehr junges Team. Daher freut es mich umso mehr, dass Andrew Akintunde hier mehr und mehr Initiative ergreift und den Jungs unter die Arme greift.

In der Abwehr wiederum haben wir mit Adrian Michelmann und Jan Claußen zwei Türsteher in der Defensive, die auch klare Ansagen an die Nebenleute geben können. Ich denke es wird sich im Verlauf der Saison entwickeln.

Apropos „Dienstältester“… Du bist seit 1981 in Bardenberg. Worin steckt für dich nach der langen Zeit noch die Motivation und welche Ziele hast Du noch?

Ingo: Erstmal ist es ein schönes Gefühl etwas mitentwickeln zu dürfen. Das ich das in meinem Heimatverein machen darf und mittlerweile auch meine Kinder hier in den Senioren spielen, ist einfach eine schöne Belohnung. In mir steckt noch zu viel Energie für den Handball, als das ich mich schon zurückziehen könnte. Ich glaube, die Energie spürt man manchmal auf der Bank beim Coaching. Hin und wieder fällt es mir schwer mich zurückzuhalten. Das ist nicht immer einfach für alle Beteiligten, soll aber eigentlich nie böse rüberkommen. Meine Motivation steckt vor allem in der Entwicklung der Mannschaft, aber auch in die von jedem Einzelnen und in die des Vereins.

Wir wurden schon vor ein paar Jahren für fast tot erklärt und ich bin schon ein bisschen stolz darauf, was wir in den letzten Jahren hier aufbauen konnten. Die Entwicklung geht immer weiter. Es freut mich auch unheimlich, dass wir einen weiteren wichtigen Schritt für die Zukunft gegangen sind und die Kooperation in der Jugend und bei den Damen mit Merkstein vollzogen haben.

Eines meiner Ziele ist neben dem Aufstieg mit der 1. Mannschaft, ein Ausbildungskonzept für den ganzen Verein zu erstellen. Die Planungen hierfür sind schon weit fortgeschritten und ein Team zur Realisierung steht bereit. Das ist auf jeden Fall ein Mammutprojekt und wird behutsam über Jahre aufgebaut werden müssen. Aber wir reden ja über Ziele. Jetzt habe ich euch ein kurzfristiges- und ein langfristiges Ziel genannt.  

Reden wir über den Saisonauftakt. Für den VfL geht es dieses Wochenende mit dem Pokalspiel zuhause gegen den HC Weiden (Regionalliga) los, dann geht es zum Saisonstart gegen Weiden 3. Anschließend kommt Wesseling nach Bardenberg, bevor es am 3. Spieltag nach Ehrenfeld geht. Ein vermeintlich einfaches Auftaktprogramm, oder?

Ingo:  Das einfachste Spiel ist das Pokalspiel gegen Weiden 1. Da haben wir nix zu verlieren und können nochmal ein schönes Vorbereitungsspiel genießen und hoffentlich den Zuschauern ein spannendes Spiel präsentieren.

Doch ab dem 1. Spieltag haben wir nur noch schwere Spiele. Das sollte uns noch aus der letzten Saison in bester Erinnerung geblieben sein. Da haben wir eine makellose Vorbereitung absolviert und sind zu Beginn der Saison direkt zweimal gestolpert. Das sollte allen Warnung genug sein. Zudem gelten wir als Vorjahres-Zweiter zu den Mitfavoriten auf den Aufstieg, eine Extraportion Motivation für jeden Gegner.

Dabei sehe ich die Liga wesentlich enger zusammengerückt als zur Vorsaison. Mit den Oberliga-Absteigern SR Aachen und BTB ist zu rechnen. Frechen, Euskirchen und vor allem Merkstein, werden ein gehöriges Wörtchen mitreden. Vielleich gibt es noch die ein oder andere Überraschungsmannschaft, die jetzt noch keiner auf dem Schirm hat.

Zum Abschluss: Hast Du einen persönlichen Wunsch?

Ingo: Ich wünsche mir, eine verletzungsfreie Saison. Das meine beiden verletzten Spieler wieder zurückkommen, dass wir uns mit der Mannschaft kontinuierlich weiterentwickeln, dass wir diese Saison Spaß haben und die Spiel auch genießen können. Dann schauen wir, was am Ende dabei rauskommt.

Nicht zuletzt würde ich mich darüber freuen, wenn wir uns mehr auf uns selbst konzentrieren würden, uns nicht an Situationen und Entscheidungen aufhalten, die wir nicht beeinflussen können.

Vielen Dank für das nette Gespräch und viel Erfolg für die neue Saison.

 

 

 

 

 

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