Birkesdorfer TV – VfL Bardenberg 32:32 (19:16)
Was für eine Energieleistung dieser Mannschaft.
Der VfL Bardenberg hat sich zum Auftakt in die Oberliga Nordrhein mit viel Moral, Leidenschaft und einem starken Schlussspurt den ersten Punkt der Saison erkämpft. Beim 32:32 in Birkesdorf nutzte die Mannschaft das Momentum der Schlussphase und belohnte sich für einen Auftritt, der vor allem eines gezeigt hat:
Diese Mannschaft ist in der Oberliga angekommen.
Aber der Reihe nach.
Ohne fünf Spieler nach Birkesdorf
Dass die Mannschaft auch mit einem reduzierten Kader funktionieren kann, hat sie nicht nur in der Vorbereitung, sondern bereits in der vergangenen Saison mehrfach bewiesen.
Entsprechend ruhig blieb es im Umfeld, als feststand, dass der VfL ohne Addi Michelmann, Jan Claussen, Andrew Akintunde, Lukas Druschke und Tim Ritzerfeld zum ersten Saisonspiel nach Birkesdorf reisen musste.
Besonders am Kreis waren die Möglichkeiten begrenzt. Mit Nicolas Krupp stand nur ein nomineller Kreisläufer zur Verfügung. Kurzerhand wurde deshalb Mattis Errenst auf dieser Position eingesetzt, um zusätzliche Optionen zu schaffen.
Improvisieren gehörte an diesem Abend also von Beginn an dazu.
Mutiger Start in die Oberliga
Der VfL kam gut in die Partie und zeigte vom ersten Angriff an, dass die junge Mannschaft in dieser Spielklasse mithalten kann.
Tim Gellin erzielte bereits in der ersten Minute das erste Oberligator der Saison. Und es sollte an diesem Abend längst nicht sein letzter Treffer bleiben.
In den ersten 15 Minuten entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Beide Mannschaften suchten konsequent den Weg nach vorne.
In der neunten Minute brachte Tizian Schappacher den VfL beim 6:7 sogar noch einmal in Führung. Auch beim 10:9 nach rund einer Viertelstunde war Bardenberg voll im Spiel.
Danach verlor der VfL allerdings etwas den Zugriff auf die Partie.
Zu viele freie Möglichkeiten wurden vergeben und Birkesdorf bestrafte diese Fehler konsequent. Gleichzeitig machte sich der kleine Kader zunehmend bemerkbar. In der Defensive konnten die entstandenen Räume nicht mehr konsequent geschlossen werden.
Vor allem Aaron Ernst wusste diese Phase auf Seiten des BTV zu nutzen.
Der VfL hielt dagegen, konnte den Rückstand aber zunächst nicht verhindern.
Mit einem aus Bardenberger Sicht durchaus schmeichelhaften 19:16 ging es in die Kabine.
Durchatmen, Kräfte sammeln, weitermachen
Die Pause wurde genutzt, um neue Kraft zu sammeln und einige Dinge neu zu ordnen. Zu Beginn der zweiten Hälfte reagierte Birkesdorf und nahm Tim Gellin mit einer offenen Manndeckung aus dem Spiel. Was eigentlich als Maßnahme gegen den VfL gedacht war, spielte Bardenberg teilweise sogar in die Karten. Die Räume wurden größer und die Mannschaft fand immer wieder Lösungen gegen die nun offenere Defensive.
Zwar gelang es zunächst nicht, den Rückstand entscheidend zu verkürzen, doch der VfL ließ sich auch nicht abschütteln. Und dann begann eine Schlussphase, die wohl noch länger in Erinnerung bleiben dürfte.
Drei Szenen drehen das Spiel
Der erste Knackpunkt kam in der 41. Minute.
Lukas Ihmer traf zum 25:21. Erstmals lag der VfL mit vier Toren zurück. Als kurz darauf auch noch Tim Gellin für zwei Minuten auf die Bank musste, sprach eigentlich alles gegen die junge Mannschaft. Doch genau in dieser Phase zeigte der VfL seine ganze Moral. In Unterzahl und danach erzielte Bardenberg vier Treffer in Folge.
Aus einem 21:25 wurde ein 25:25. Plötzlich war alles wieder offen. Und noch wichtiger: Das Momentum war komplett auf die Seite des VfL gekippt. Der zweite Schlüssel lag in der Defensive.
Der Trainer reagierte auf Aaron Ernst und nahm den gefährlichsten Birkesdorfer Akteur in Manndeckung.
Der BTV verlor dadurch zunehmend seinen Rhythmus. Die Gastgeber fanden immer seltener in ihre gewohnten Abläufe und verstrickten sich zunehmend in Einzelaktionen.
Bardenberg war jetzt endgültig da.
Drama in der letzten Minute
Der dritte Knackpunkt folgte in der Schlussminute. Beim Stand von 31:31 musste Nicolas Krupp mit einer Zeitstrafe vom Feld. Eine denkbar ungünstige Situation. Doch auch jetzt zeigte die Mannschaft genau das, was sie an diesem Abend ausgezeichnet hat.
Der VfL erkämpfte sich tatsächlich noch einmal den Ball.
Bardenberg nahm den Torhüter vom Feld, stellte offensiv auf Gleichzahl und spielte den folgenden Angriff mit bemerkenswerter Ruhe aus. 15 Sekunden vor dem Ende war es dann tatsächlich soweit.
32:31 für den VfL.
Die erste Bardenberger Führung seit der neunten Spielminute. Birkesdorf reagierte sofort, spielte die schnelle Mitte und erzielte wenige Sekunden vor der Schlusssirene noch den Treffer zum 32:32.
Dann war Schluss.
Ein Punkt, der sich wie ein Sieg anfühlt
Natürlich war der Sieg 15 Sekunden vor dem Ende greifbar nah. Doch wenn man den gesamten Spielverlauf betrachtet, fühlt sich dieses Unentschieden ganz klar wie ein gewonnener Punkt an.
Der VfL lag mehrfach zurück, musste mit einem kleinen Kader auskommen, spielte zeitweise in Unterzahl und stand beim 21:25 bereits mit dem Rücken zur Wand. Und trotzdem kam diese Mannschaft zurück.
„Wir sind unheimlich stolz auf diesen ersten Punkt. Die Jungs haben bis zum Umfallen gearbeitet. Das war eine grandiose Energieleistung. Dass wir auswärts gegen eine Mannschaft, die zum Favoritenkreis der Liga gehört, so Paroli bieten können, hätten wir vor dem Spiel in dieser Form sicher nicht erwartet.“
Noch wichtiger als der Punkt selbst war vielleicht die Erkenntnis dieses Abends:
Bardenberg kann Oberliga.
Das Team hat gezeigt, dass es auch unter schwierigen Voraussetzungen Lösungen findet und sich selbst von Rückschlägen nicht aus dem Spiel nehmen lässt. Darauf lässt sich aufbauen.
Am kommenden Spieltag wartet nun das erste Heimspiel gegen den 1. FC Köln.
Dann dürften voraussichtlich drei der zuletzt fehlenden Spieler wieder in den Kader zurückkehren und vor allem im Rückraum sowie am Kreis für zusätzliche Möglichkeiten sorgen.
Nach dem 32:32 in Birkesdorf ist die Vorfreude auf den ersten Oberliga-Auftritt vor heimischem Publikum jedenfalls noch einmal ein gutes Stück größer geworden.
Der erste Punkt ist da.
Und das Dörflein an der Wurm ist endgültig zurück in der Oberliga.